Vanille und Schoko sind super. Wirklich. Wenn du jetzt anfängst mit Softeis, fängst du auch genau mit den beiden Sorten an, habe ich vor zwei Wochen auch in einem anderen Blogbeitrag empfohlen. Aber ab dem Moment, wo dein Workflow steht, dein Standort funktioniert und die ersten Stammkunden wiederkommen, stellt sich eine Frage: Wie verdiene ich pro Kunde noch ein bisschen mehr, ohne dass es operativ aufwendiger wird?
Die Antwort ist meiner Erfahrung nach: Toppings. Mit den richtigen Toppings hebst du dich von der Tankstelle und der Eisdiele um die Ecke ab, du verlängerst die Verweildauer deiner Kunden, und du verdienst pro Portion zwischen 80 Cent und 1,50 € on top. Ohne Mehraufwand für deine Maschine.
In diesem Beitrag stelle ich dir drei Topping-Ideen vor, die bei unseren Partnern besonders gut funktionieren. Plus einen Bonus-Tipp, den ich erst vor ein paar Monaten zum ersten Mal in der Praxis gesehen habe und der mich umgehauen hat.
1. Salzkaramell-Crunch
Ich kenne keine Kombination, die so zuverlässig funktioniert wie Salzkaramell. Die Mischung aus süß, salzig und knusprig ist quasi geschmackslich foolproof, kein einziger Kunde, den ich kenne, hat dazu jemals nein gesagt.
So setzt du das praktisch um: Karamellsauce kannst du entweder selbst kochen oder fertig bestellen. Selbst kochen lohnt sich, wenn du mindestens 5 kg pro Woche brauchst, das ist günstiger und schmeckt einfach besser. Die Sauce hält im Kühlschrank locker zwei Wochen, du kannst also gut in größeren Mengen vorkochen. Dann kommt eine Prise Fleur de Sel oben drauf, wirklich nur eine Prise, nicht mehr. Das Salz soll nicht dominant sein, sondern den süßen Karamell sortieren. Und obendrauf geröstete Mandelstückchen für den Crunch. Mandeln kannst du selbst rösten (fünf Minuten in der Pfanne, ohne Fett) oder gleich geröstet kaufen.
Materialkosten pro Portion: ungefähr 15 Cent. Wenn du das als Upgrade für 1,00 € anbietest, hast du also 85 Cent reine Marge. Bei 80 Portionen am Tag sind das knapp 70 Euro Zusatzgewinn, und du hast nichts geändert außer einer kleinen Schöpfkelle Karamell und einer Streuser-Mandel.
2. Frische Frucht-Explosion
Saisonale Früchte sind aus meiner Sicht der größte ungenutzte Marketing-Hebel im Softeis-Geschäft. Erdbeeren im Mai, Himbeeren im Juli, Mango im August, Heidelbeeren im September, jede Saison hat ihre Frucht, jede Frucht hat ihre eigenen Fans.
Die Umsetzung ist denkbar einfach: Frische Früchte grob schneiden oder als Coulis pürieren, mit ein bisschen Zucker und Zitronensaft ansetzen, fertig. Coulis kannst du portionsweise einfrieren, dann hast du auch im Februar noch sommerliche Erdbeer-Optik im Glas.
Was viele unterschätzen: Die Farben machen aus einer banalen Vanille-Portion eine echte Optik-Bombe. Knallroter Erdbeer-Coulis auf weißem Vanille-Swirl in einer goldbraunen Waffel, das Foto schießt sich von selbst. Und genau das ist der Punkt: Frische Frucht-Toppings sind nicht nur lecker, sie sind dein bestes Instagram-Marketing.
Materialkosten pro Portion: 10–25 Cent, je nach Saison und Frucht. Verkaufspreis: 0,80–1,20 € Aufpreis. Mein Tipp: Biete saisonal an, kommuniziere es klar ("Diese Woche: Frische Erdbeeren aus Niederbayern") und ändere die Sorte alle 2–3 Wochen. Das schafft Wiederkehr-Anreize bei deinen Stammkunden.
3. Cookie-Dough-Bites
Das ist ehrlich gesagt der Topping-Trend, der mich am meisten überrascht hat. Essbarer Keksteig in kleinen Bites, geschüttet über Vanille-Softeis. Klingt verrückt, ist aber gerade auf TikTok mega, und bei den Kunden in der Realität noch mehr.
Du hast zwei Optionen: Entweder du bestellst die Bites beim Großhändler (fertige Produkte gibt es inzwischen in vielen Geschmacksrichtungen, Schoko, Karamell, Erdnussbutter) oder du entwickelst eine eigene Rezeptur. Eigenproduktion lohnt sich, wenn du mindestens 200 Portionen pro Woche verkaufst, sonst bist du mit fertigen Produkten besser dran.
Pro Portion brauchst du etwa 15–20 g Bites, was Materialkosten von 20 Cent bedeutet. Verkaufspreis: 1,20 € Aufpreis. Das ist die rentabelste Topping-Option, die ich kenne.
Bonus-Tipp: Die Topping-Bar
Jetzt zu dem Konzept, das mich vor ein paar Monaten umgehauen hat. Ich war bei einem Schwimmbad-Kiosk-Betreiber in Bayern, der hat statt der klassischen "Ich-bediene-jeden-Kunden-individuell"-Logik eine kleine Self-Service-Topping-Bar aufgebaut. Vier Behälter, vier Saucen-Spender, vier Zangen. Der Kunde nimmt sein Softeis, geht zur Bar, sucht sich seine Toppings selber raus und bezahlt am Ende einen pauschalen Aufpreis.
Was das macht: Erstens spart es dir massiv Zeit. Der Kunde nimmt sich, was er will, in der Geschwindigkeit, die ihm passt, du musst nicht jeden Wunsch einzeln umsetzen. Zweitens steigert es den Durchschnittsbon. Wenn der Kunde selber dosiert, schöpft er mehr, als du ihm gegeben hättest. Das ist menschlich und absolut normal. Drittens ist es ein Erlebnis. Die Topping-Bar wird zum kleinen Mini-Event, die Kunden bleiben länger, kaufen oft noch ein Getränk dazu und kommen wieder.
Die Investition für eine kleine Topping-Bar liegt bei 300–500 € (vier Behälter, Spender, Hygieneabdeckungen). Amortisationszeit: zwei bis vier Wochen, wenn du sie an einem gut frequentierten Standort hast.
Was ich dir noch mitgeben würde
Aus meiner Sicht funktionieren Toppings deshalb so gut, weil sie das Produkt vom Massenprodukt zum Erlebnis machen. Ein Eis ohne Topping ist ein Eis. Ein Eis mit Salzkaramell und gerösteten Mandeln ist ein kleines Statement. Es ist persönlicher, es schmeckt nach mehr Aufwand, es rechtfertigt einen höheren Preis.
Mein Tipp zum Schluss: Übertreib es nicht. Drei bis vier Topping-Optionen sind genug. Zu viel Auswahl überfordert. Setz auf 2–3 Klassiker (Karamell, Schoko, Streusel), plus ein saisonales Highlight, das du regelmäßig wechselst.
Preisgestaltung: Mein einfacher Rechenansatz
Damit du nicht in die typische Topping-Falle tappst, ein letzter Tipp zur Preisgestaltung. Viele Betreiber setzen den Topping-Aufpreis zu niedrig an, weil sie Sorge haben, dass die Kunden sonst nichts kaufen. Aus meiner Erfahrung ist das genau die falsche Logik. Wenn ein Kunde sich entscheidet, ein Topping zu nehmen, ist er bereits "im Genuss-Modus", der zusätzliche Euro ist ihm in dem Moment ziemlich egal.
Mein Rechenansatz: Setze den Topping-Aufpreis bei mindestens dem 4–5-fachen deiner Materialkosten an. Bei 15 Cent Materialkosten heißt das 0,60–0,80 € Aufpreis. Du wirst sehen, die Annahme-Quote bleibt fast identisch, aber deine Marge verdoppelt sich.
Was Kunden wirklich abschreckt, ist nicht ein höherer Preis. Sondern unklare Preise. Schreib die Aufpreise klar auf, mach es einfach für den Kunden ja zu sagen, und du wirst staunen, wie viele es tun.
Wenn du eine Topping-Strategie für deinen Standort entwickeln willst und nicht genau weißt, wo du anfangen sollst, gib uns gerne Bescheid. Bei Cooltura helfen wir nicht nur bei der Maschine, sondern auch beim Drumherum.
Über den Autor
Florian Werner
Kühler Kopf mit großer Leidenschaft fürs Eis
Geschäftsführer von Cooltura und leidenschaftlicher Blogger vom Kopf bis zur Waffelspitze.
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