Wenn du den Titel dieses Beitrags liest, denkst du vielleicht: "Frequenzbringer, schon wieder so ein Beratersprech." Verstehe ich. Aber bleib mir kurz dran, ich versuche zu erklären, was ich damit meine, und warum aus meiner Sicht gerade Tankstellen, Bäckereien und Supermärkte einen massiven blinden Fleck haben, wenn sie Softeis nicht im Angebot führen.
Ich habe in den letzten zwei Jahren mit ungefähr 200 Betreibern aus diesen drei Branchen gesprochen. Mit einigen davon haben wir auch Maschinen verkauft und über zwei Saisons hinweg begleitet. Die Zahlen, die wir sehen, sind ehrlich gesagt überraschend, und sie passen nicht in das klassische Bild, das die meisten Leute von "Eisdiele" haben.
Was "Frequenzbringer" eigentlich bedeutet
Bevor wir in die Branchen einsteigen, kurz das Konzept. Ein Frequenzbringer ist ein Produkt oder Service, der Kunden anzieht, nicht weil sie das Produkt brauchen, sondern weil es ein attraktives Angebot ist, das ihren Weg zu dir lenkt. Sobald sie da sind, kaufen sie aber häufig nicht nur das eine Produkt, sondern auch andere Dinge.
Das klassische Beispiel: Aldi mit seinen Mittwoch-Sonderaktionen. Niemand fährt nach Aldi, weil er unbedingt einen Akku-Schrauber für 19,99 € braucht. Aber die Aktion lockt die Leute rein, und nebenbei landen Milch, Brot und Schokolade im Wagen. Frequenzbringer. Softeis funktioniert genauso. Und zwar erstaunlich stark.
Tankstellen: Der Impulskauf par excellence
Shell, Aral, OMV, die großen Player haben es vorgemacht. Inzwischen siehst du an immer mehr Tankstellen Softeismaschinen am Eingang. Warum? Weil es ein perfekter Impulskauf ist.
Der typische Tankstellen-Kunde tankt sein Auto, geht zur Kasse, sieht die Maschine. An warmen Tagen greift fast jeder Dritte zu, meiner Erfahrung nach. Bei Margen von über 90 % ist selbst ein moderater Absatz hochprofitabel. Eine Tankstelle, die 100 Portionen pro Tag verkauft (wirklich nicht viel für eine gut frequentierte Tankstelle), macht damit 350–400 € Bruttoerlös pro Tag, bei einem operativen Aufwand von vielleicht 30 Minuten Reinigung und Nachfüllen.
Was viele Tankstellenbetreiber nicht sehen: Softeis ist nicht nur die Marge auf das Eis. Es ist auch die psychologische Aufladung. Wer mit einem leckeren Softeis aus deiner Tankstelle rauskommt, hat ein positives letztes Erlebnis. Und kommt beim nächsten Mal wieder, und nicht zur Konkurrenz drei Kilometer weiter, wo es kein Eis gibt.
Bäckereien: Das perfekte Nachmittagsgeschäft
Bäckereien haben ein zeitliches Problem, das jeder Bäcker kennt: Am Vormittag brummt das Geschäft, Frühstück, Pause, mittags der Lunch-Rush. Ab 14 Uhr wird es ruhig. Brot wird nicht mehr gekauft, Frühstücksbrötchen sind durch, die Kuchen sind teilweise schon angeschnitten und stehen rum.
Softeis löst dieses Problem elegant. Familien mit Kindern, Schüler nach der Schule, Spaziergänger, Rentner-Treffs, alle kommen nachmittags für ein Eis. Und sehr oft nehmen sie noch Gebäck, einen Kaffee, ein Stück Kuchen mit. Cross-Selling in absoluter Reinform.
Ich kenne eine Bäckerei in Straubing, die ihre Nachmittags-Umsätze in der ersten Saison mit Softeis um 60 % gesteigert hat. Sechzig Prozent. Allein durch die zusätzliche Frequenz, die durch das Softeis-Angebot reingekommen ist. Das Eis selbst hat etwa ein Viertel des Zuwachses ausgemacht, der Rest waren Cross-Selling-Umsätze: Kaffee, Kuchen, Gebäck. Aus meiner Sicht sollte jede mittelgroße Bäckerei mit einigermaßen Laufkundschaft eine Softeismaschine haben. Es gibt kaum eine Investition, die sich so schnell rechnet.
Supermärkte und Discounter
Hier ist der Trend noch jung, aber er wird kommen. Einzelne REWE- und EDEKA-Märkte experimentieren bereits mit Softeis-Stationen am Ausgang. Die Logik ist subtiler als bei Tankstellen oder Bäckereien: Wer mit einem Eis in der Hand den Laden verlässt, hat ein positives letztes Erlebnis. Und kommt eher wieder.
Ich glaube, in fünf Jahren wird das Standard sein. Die meisten Supermärkte sind operativ noch nicht so weit, weil Softeis aus ihrer Sicht ein Frischeprodukt mit Personalbedarf ist, und Personal ist im Lebensmitteleinzelhandel die größte Herausforderung. Aber moderne Maschinen mit automatischer Pasteurisierung machen den Personalaufwand minimal. Eine Person füllt morgens nach, das war''s. Die Maschine läuft den Rest des Tages allein.
Schwimmbäder, Freizeitparks, Veranstaltungen
Hier ist Softeis ein absoluter No-Brainer: hohe Besucherfrequenz, warme Temperaturen, Kunden, die ohnehin im "Genuss-Modus" sind und bereit, Premiumpreise zu zahlen. Ein gut positionierter Softeis-Stand kann an einem Spitzentag im Sommer 500+ Portionen absetzen, das sind über 2.000 € Tagesumsatz bei einer Maschine, die nicht viel mehr als 5.000 € kostet.
Mein bayerisches Beispiel: Im Heimatdorf-Schwimmbad haben sie vor zwei Jahren eine Spaceman 6210B-C reingestellt. Die Maschine hat sich nach 11 Verkaufstagen amortisiert. Ja, du liest richtig: elf Tage.
Die Zahlen dahinter
Eine Softeis-Portion kostet in der Herstellung 0,25–0,35 €. Verkauft wird sie für 2,90–4,90 €, je nach Standort und Positionierung. Das ergibt Margen zwischen 88 % und 95 %. Kein anderes Convenience-Produkt bietet vergleichbare Renditen bei so geringem operativem Aufwand.
Aus meiner Sicht ist das wirklich entscheidend. Du kannst gerne auch Kuchen verkaufen, mit 60 % Marge. Oder Kaffee, mit 70 %. Aber bei der Kombination aus extrem hoher Marge, niedrigem Aufwand und gleichzeitiger Frequenz-Wirkung ist Softeis aktuell unschlagbar.
Fazit
Softeis ist mehr als ein Dessert. Es ist ein strategisches Produkt für jeden Betrieb mit Laufkundschaft. Es lockt Kunden an, erhöht den Durchschnittsbon, stärkt die Kundenbindung, und ja, es bringt traumhafte Margen. Wer einen frequentierten Standort hat und Softeis noch nicht im Angebot führt, verschenkt aus meiner Sicht bares Geld.
Worauf du achten solltest, wenn du Softeis als Frequenzbringer einsetzt
Damit das Konzept wirklich funktioniert, brauchst du drei Dinge: Sichtbarkeit, Konstanz und Qualität. Sichtbarkeit heißt: Die Maschine steht nicht versteckt, sondern dort, wo die Kundenfrequenz am größten ist, bei Tankstellen am Eingang, bei Bäckereien direkt an der Theke, bei Supermärkten an der Kasse oder am Ausgang. Konstanz heißt: Die Maschine muss laufen, wenn die Kunden da sind. Eine Maschine, die zwei Wochen wegen Reinigung stillsteht, ist kein Frequenzbringer, sondern ein Enttäuschungsbringer. Deshalb auch hier wieder der Hinweis: Die automatische Pasteurisierung ist meiner Meinung nach für gewerblich genutzte Standorte fast Pflicht.
Qualität heißt: Das Produkt muss schmecken. Ein wässriges, billiges Softeis macht keine Wiederkehr, und nimmt deinem ganzen Standort die Glaubwürdigkeit. Spar nicht beim Mix.
Mein letzter Gedanke
Wenn ich mir die Entwicklung der letzten zwei Jahre anschaue, sehe ich einen klaren Trend: Softeis wandert weg von der klassischen Eisdiele und wird zum Querschnittsprodukt für jeden Betrieb mit Laufkundschaft. Aus meiner Sicht ist das eine der spannendsten Marktverschiebungen in der Convenience-Branche der letzten zehn Jahre, und sie ist noch am Anfang.
Wenn du in einer der genannten Branchen unterwegs bist und überlegst, ob Softeis bei dir funktioniert, gib uns gerne Bescheid. Wir rechnen mit dir gemeinsam, ehrlich und ohne Verkaufsdruck, ob sich die Investition für deinen konkreten Standort lohnt.
Über den Autor
Florian Werner
Kühler Kopf mit großer Leidenschaft fürs Eis
Geschäftsführer von Cooltura und leidenschaftlicher Blogger vom Kopf bis zur Waffelspitze.
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